Sonntag, 3. August 2014

Rezension: Die Rache des Chamäleons von Åke Edwardson

Handlung


Peter ist beruflich erfolgreich und liebt seine Frau sowie seine beiden Kinder. Doch eines Tages endet sein beschauliches Leben abrupt mit einem Brief, den er erhält. Der Inhalt konfrontiert ihn mit seiner Vergangenheit in Spanien. Um sich und seine Familie zu retten, muss er nach Andalusien reisen und eine offene Rechnung aus vergangenen Tagen begleichen.

Meinung


Als Fan skandinavischer Krimis und Thriller bin ich schon oft auf den Autor, Ake Edwardson gestoßen, ohne jedoch je etwas von ihm gelesen zu haben. Meine Erwartungen an dieses Buches waren dementsprechend hoch und auch die Leseprobe hatte mich bereits nach wenigen Sätzen in ihren Bann gezogen. Umso enttäuschter war ich dann jedoch mit jeder Seite, die ich gelesen habe.

Die Handlung war für mich verwirrend und teilweise unlogisch. Der Schreibstil des Autors - häufige Perspektivenwechsel und sehr kurze Sätze - gefiel mir zu Beginn und erzeugte bereits auf den ersten Kapiteln Tempo und Spannung. Gleichzeitig waren einzelne Passagen dadurch mühsam zu lesen und die verschiedenen Charaktere blieben für mich bis zuletzt flach. Nur schrittweise wird die Vergangenheit Peters, das Geheimnis, das er verbirgt, offengelegt. Solch ein Stilmittel kann in einem Thriller natürlich für Spannung sorgen, indem der Leser bzw. die Leserin im Unklaren gelassen wird. Bei mir führte es jedoch dazu, dass ich kaum nachvollziehen konnte, warum Peter solche Angst hat, warum er nicht zur Polizei geht, weshalb er seine Frau nicht einweiht usw. Ähnlich qualvoll und kräftezehrend wie die Tage bis zum entscheidenden Ereignis für Peter vergingen, fühlte ich mich bei den Kapiteln bis zum Finale. Trotz der Kürze des Buches, gab es hier für mich unnötige Längen. Das Finale konnte dann zwar mit einigen Überraschungen aufwarten, war teilweise jedoch auch unlogisch.

Insgesamt bleib bei mir der Eindruck hängen, dass hier eine ansich gute Idee rasch und lieblos in einen vergleichsweise dünnen Thriller gepackt wurde. Auf eine Ausarbeitung der Charaktere wurde verzichtet, präzise Recherchen zum politischen Hintergrund des Buches sucht man vergeblich und Lücken in der Handlung wurden mit Stilmitteln kaschiert.

Fazit


Die Rache des Chamäleons ist kein schlechtes Buch. Ake Edwardson versteht sein Handwerk, er formuliert solide und sorgt mit diversen Cliffhangern dafür, dass auch bei einer durchschnittlichen Handlung Spannung entsteht. Angesichts der Popularität des Autors, dem kommerziellen Erfolg des Buches und der Leseprobe habe ich mich jedoch mehr erwartet. Thrillerfans würde ich eher zu anderen Büchern raten.

***

6 von 10 Punkten

Samstag, 26. Juli 2014

Rezension: Rabenflüstern von Philipp Schmidt

Handlung


„Die Zeiten der großen Umwaldung und der nachfolgenden chaotischen Zustände waren vorüber.
In einem apokalyptischen Sturm war die Magie auf die Erde zurückgekehrt, zusammen mit den alten Göttern. Stein, Fluss und Heide waren wieder zum Leben erwacht.
Monatelanger Regen hatte die Wirklichkeit von so vielen Jahrhunderten Stück um Stück abgetragen und dorthin geschwemmt, wo Träume und Legenden wohnen.
Manche der Weisen, die jenen kosmischen Wandel miterlebt hatten, sprachen später von der Rückkehr der wahren Ordnung, doch für den Großteil der Menschheit war es ein Alptraum…“


Diese Zeilen aus dem Prolog von „Rabenflüstern“ geben bereits einen ersten Einblick in die Fantasywelt, in die Philipp Schmidt uns mit seinem Buch führt. Diese Welt ist aus der unsrigen entstanden. Doch wo heute Technik, Vernunft und Naturwissenschaften herrschen, gibt es wieder Magie, Orks, Zwerge und Elfen. In dieser, an das Mittelalter erinnernden Welt, leben auch die beiden Krieger Kraeh und Sedain. In unzähligen Schlachten haben sie es bereits zu Ruhm und Reichtum gebracht, doch dieses Mal droht eine Gefahr, welche die ganze Welt in Chaos und Schrecken stürzn könnte. Doch Kraeh und Sedain sammeln Verbündete um sich dem Bösen entgegen zu stellen.

Meinung


Rabenflüstern ist ein Fantasyroman, der viele Elemente aus anderen Fantasybüchern aufnimmt. Dennoch wirkt er nie wie eine Kopie von Bestehendem. Vielmehr wird Bekanntes - etwa Zwerge oder Halbelfen - neu aufgegriffen und durch eigene Elemente ergänzt. Dazu kommen viele neue Ideen, durch welche die Handlung abwechslungsreich, interessant und spannend wird. Gleichzeitig werden sich Fantasyfans in der Welt von Rabenflüstern rasch zu Hause fühlen. Auch wenn es zu Beginn ein wenig dauert, bis man sich die zahlreichen Namen gemerkt hat, mit denen man in dem Buch konfrontiert wird.

Besonders gut hat mir an der Handlung gefallen, dass sie nicht nur aus einer Aneinanderreihung von Schlachten besteht. Es gibt zwar bildhaft beschriebene Kämpfe, doch die Gefahren die Kraeh drohen, können nicht durch reine Muskelkraft bezwungen werden. Das Buch bietet daher auch Ansätze dafür, über Religionen, Schicksal und die Bedeutung von Wissen und Weisheit nachzudenken. Während solche Stellen in anderen Büchern oft seicht, primitiv und zu bemüht auf mich wirken, fand ich sie hier äußerst gelungen, sparsam eingesetzt und interessant. Es hat mich nicht überrascht später zu erfahren, dass der Autor neben Germanistik auch Philosophie studiert hat.

Die größte Stärke dieses Buches liegt meines Erachtens jedoch in der Charakterdarstellung. Im Laufe des Buches lernt man neben Kraeh und Sedain noch zahlreiche andere Personen kennen. Sie alle haben eine eigenständige Persönlichkeit, die gut dargestellt wird. Einige Charaktere sind mir rasch ans Herz gewachsen, andere haben meine Neugier geweckt und wieder andere habe ich bemitleidet oder verabscheut. Dadurch hat das Buch für mich viel an Tiefe und Spannung gewonnen.

Den Schreibstil von Rabenflüstern fand ich gut. Die Geschichte hat sich flüssig gelesen, Beschreibungen waren präzise und abwechslungsreich.

Fazit


Allen Fans von Fantasy im Stil von Herr der Ringe und ähnlichen Büchern kann ich Rabenflüstern nur empfehlen. Mir haben die von Philipp Schmitt geschaffene Welt, die Charaktere und die Handlung außerordentlich gut gefallen und einige spannende Lesestunden beschert. Da Rabenflüstern der Auftakt einer Trilogie ist, warte ich nun bereits gespannt auf die Veröffentlichung des zweiten Teils.

9 von 10 Punkten

Sonntag, 20. Juli 2014

Rezension: Im Namen der Kirche von Peter Montalin

Handlung

Dominik Winter ist ein bekannter Investigativjournalist aus der Schweiz. Von einer älteren Dame erhält er den Auftrag ihren seit 16 Jahren verschwundenen Enkelsohn, Andreas Winter, zu finden. Dieser kam bereits in jungen Jahren als Waise in ein katholisches Kloster. Als Jugendlicher wurde er in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Anstalt eingewiesen. Von dort verschwand er jedoch und ab dann verliert sich seine Spur. Gemeinsam mit der Hackerin Sue macht Dominik sich auf die Suche nach Andreas. Doch dieser will gar nicht gefunden werden. Gleichzeitig bleibt Dominiks Suche einigen einflussreichen Kirchenmännern nicht verborgen. Und diese sind bereit alles zu tun, damit Dominik Andreas nicht findet.  

Meinung

Mit „Im Namen der Kirche“ hat Peter Montalin einen Thriller geschrieben, der sich dem Thema Kindesmissbrauch in kirchlichen Einrichtungen annimmt. Für den Mut, sich dieses heißen Eisens angenommen zu haben, gebührt dem Autor meiner Erachtens auch viel Respekt. Gerade zu Beginn des Buches wird in verschiedenen Szenen versucht, die Mechanismen, die solche Grausamkeiten ermöglichen, darzustellen. Peter Montalin spart hier auch explizite Szenen nicht aus, er stellt den Missbrauch von Macht und Autorität dar und fasst die Gefühle der Opfer in Worte. Im Laufe der Zeit tritt das eigentliche Thema des Romans jedoch zusehends in den Hintergrund. Diverse neue Handlungselemente kommen hinzu und neben der Suche nach Andreas und dem Kampf gegen die Kirche nimmt auch die Darstellung des beruflichen Aufstiegs der verschiedenen Charaktere, ihrer Liebesgeschichten, ihrer Wohnungen usw. viel Raum ein. Trotzdem bleiben die Protagonisten und Protagonistinnen während all dem farblos. Oberflächliche und lieblose Charakterdarstellungen sowie die klare Gut/Böse - Dichotomie haben mir im Laufe der Zeit zusehends die Freude am Lesen dieses umfangreichen Thrillers genommen. Dazu kommt, dass die Handlung zwar einige spannende Elemente aufweist, alle Probleme aber viel zu schnell geklärt werden. Entweder durch Zufall oder durch haufenweise Geld - denn praktischerweise sind alle guten Charaktere außerordentlich vermögend. Dadurch kam bei mir kaum Spannung auf, sondern eher Ärger über zahlreiche unrealistische Passagen und schlecht recherchierte Details. Stellenweise hatte ich eher das Gefühl keinen Thriller zu lesen, sondern ein seichtes Hollywood-Märchen inklusive dreier Traumhochzeiten. Für meinen Geschmack nicht der passende Rahmen für ein Buch über sexuellen Missbrauch. Daher blieb von den hohen Erwartungen, die ich angesichts des Klappentextes in dieses Buches gesetzt hatte, am Ende leider überwiegend Enttäuschung übrig. Den Schreibstil empfand ich als solide aber durchschnittlich. Das Buch lässt sich rasch und flüssig lesen, glänzt jedoch weder durch präzise Beschreibungen noch durch eine überdurchschnittliche sprachliche Ästhetik. Immer wieder hatte ich auch das Gefühl, ein gründlicheres Lektorat hätte dem Buch gut getan.

Fazit

Im Namen der Kirche thematisiert ein brisantes Thema. Die Umsetzung konnte mich aufgrund der flachen Charaktere sowie der vielen Zufälle und unrealistischen Wendungen jedoch nicht überzeugen.

3 von 10 Punkten

Sonntag, 13. Juli 2014

Rezension: Das Tal von Valentin Zahrnt

Handlung


Nach ihrem Abitur machen sich 3 Jungs und 3 Mädels auf, um ein paar Wochen in einem abgelegenen und nur mit dem Flugzeug erreichbaren Tal in Alaska zu verbringen. Doch die idyllische Abenteuerreise wird bald von den Spannungen innerhalb der Gruppe überschattet. Aus anfänglichen Reibereien wird ein schrecklicher Mix aus Sex, Macht und Gewalt. Doch ist dies die einzige Gefahr für das Leben der Jugendlichen?

Meinung


Valentin Zahrnt hat mit „Das Tal“ einen außerordentlich spannenden und beklemmenden Thriller vorgelegt. Die große Stärke des Buches liegt dabei auf den Charakteren. Alle sechs haben unterschiedliche Persönlichkeiten, die gut herausgearbeitet werden und ihre Handlungen sind trotz Brutalität und (von mir laienhaft angenommenen) Persönlichkeitsstörungen angesichts des jeweiligen Charakters für mich stets plausibel. Durch die Ereignisse des Romans ändern sich die Charaktere, ungeahnte Stärken erwachen, aber auch dunkle Seiten werden sichtbar. Auch diese Entwicklungen sind hervorragend dargestellt, als Leserin habe ich bei den Charakteren, die ich mochte, richtig mitfiebern und mitleiden können. Vieles, was den Thriller so spannend macht, entspringt auch der Gruppendynamik der sechs Charaktere. Doch ein abgeschiedenes Tal in Alaska hat noch weitere Gefahren zu bieten, sodass dieses Buch nicht nur ein psychologischer Thriller ist, sondern auch andere Horror-Elemente aufweist (mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht erwähnt - schließlich sollt ihr das Buch noch lesen).

Während ich die Interaktion der Gruppe und ihr Leben in der Wildnis äußerst spannend fand, empfand ich das Ende der Geschichte als eine Spur zu lang. Dennoch konnte ich das Buch etwa ab der Hälfte nicht mehr aus der Hand legen und habe es - gefühlt ohne ein einziges Mal zu atmen - in einem durch gelesen.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Die Natur und die Charaktere werden hervorragend beschrieben, die Mischung aus Beschreibungen und Handlung fand ich passend. Das Buch liest sich flüssig, was ich angesichts meines ständig wachsenden Tempos beim Lesen sehr hilfreich fand.

Fazit


Insgesamt gehört „Das Tal“ zu den besten Thrillern, die ich bislang gelesen habe. Das Buch hat mich insbesondere aufgrund der spannenden Handlung, der Charaktertiefe, einigen guten Ideen und dem soliden Schreibstil beeindruckt. Allen Thriller-Fans kann ich es daher uneingeschränkt empfehlen.


9 von 10 Punkten

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Das Tal ist auf Amazon als E-Book und als Taschenbuch erhältlich.

Samstag, 28. Juni 2014

Rezension: Die Krieger des Seins von Ralph Gawlick

Handlung

Das Buch „Die Krieger des Seins“ spielt in der mittelalterlichen Fantasywelt Terrestos. Dort trachtet der böse Feuermagier Rhabwyn nach der Herrschaft über alle Elemente und damit über alles Leben. Seine Widersacherin ist seine Schwester Deanora, eine Wassermagierin, welche die „Krieger des Seins“ um sich geschart hat um gemeinsam mit diesen Rhabwyn zu vernichten. Doch der Feuermagier schickt bereits seine Truppen gegen Sonnenburg, die Hauptstadt des Reiches. Dort müssen sich die Menschen gegen Rhabwyns schreckliche Vasallen zu Wehr setzen, während ihnen gleichzeitig eine drohende Hungersnot und eine korrupte Kirche zu schaffen machen. Unterdessen nähern sich die Krieger des Seins Rhabwyns Schloss. Und Morlas und Fayndra, zwei dieser Krieger, nähern sich einander immer weiter an.



Meinung

Das Buch die „Krieger des Seins“ ist nur knapp 200 Seiten lang. Auf diesem Platz gelingt es dem Autor, eine eigene Fantasywelt darzustellen. Diese orientiert sich weitgehend am irdischen Mittelalter, Magie oder phantastische Wesen sind die Ausnahme. Dadurch ist es mir rasch gelungen, mit der Welt Terrestos vertraut zu werden. Gleichzeitig unterscheidet Terrestos sich damit jedoch kaum von anderen phantastischen Welten.

Die Geschichte des Buches hat mich durchaus überzeugen können. Sie enthält einige Wendungen und interessante Aspekte. Dennoch hat der Autor die Fantasyliteratur hier nicht neu erfunden, viele Elemente aus „Die Krieger des Seins“ finden sich auch in Herr der Ringe oder anderen Büchern wieder. An einigen Stellen war die Handlung für meinen Geschmack auch zu klischeehaft und lies Grauzonen vermissen. Da die Geschichte jedoch spannend ist und ich einige Charaktere rasch ins Herz geschlossen habe, konnte ich es beim Lesen dennoch kaum erwarten, zu erfahren, ob es gelingt Rhabwyn aufzuhalten und wie groß die Verluste sein werden.

Mit dem Schreibstil des Autors konnte ich mich bis zuletzt nicht ganz anfreunden. Zwar liest dich das Buch flüssig und ist sprachlich durchaus gelungen. Doch an vielen Stellen fehlten mir einfach Beschreibungen. Ich mag es lieber, wenn ein Buch nicht einfach festhält „die beiden lieben sich jetzt“, sondern wenn ich die Emotionen der Charaktere durch ihre Handlungen, Beschreibungen ihrer Mimik, ihrer Worte usw. selbst feststellen kann. Auch die Beschreibungen der Kämpfe und der Welt an sich hätten für meinen Geschmack detaillierter ausfallen können.

Insgesamt war „Die Krieger des Seins“ ein Buch, das für mich sowohl einige deutliche Stärken, als auch einige bedeutsame Schwächen enthält. Auch wenn mir der Schreibstil weniger zugesagt hat, hatte ich beim Lesen der Geschichte eine spannende Zeit. Ich kann mir daher gut vorstellen, einen weiteren Roman in der Welt Terrestos zu lesen und wüsste auch gerne über das weitere Schicksal mancher Charaktere Bescheid. Aufgrund des Schreibstils würde ich das Buch dennoch nur den Fans mittelalterlicher Fantasy mit klarer Gut-Böse Aufteilung empfehlen.

„Die Krieger des Seins“ ist meines Erachtens ein solider Fantasy-Roman und ein tolles Erstlingswerk. Ich habe aber auch schon Fantasybücher gelesen, die mir deutlich besser gefallen haben.


6 von 10 Punkten

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"Die Krieger des Seins" ist auf Amazon als E-Book und als  Taschenbuch erhältlich.

Montag, 23. Juni 2014

Rezension: Alles in Blut von Ole R. Börgdahl

 Handlung

Der Polizist Bruckner ermittelt in einem acht Jahre zurückliegenden Fall. Damals fand man eine Leiche in einem Hotelzimmer, der Tote wurde jedoch nie identifiziert und die spärlichen Spuren führten zu keinem Täter. Bruckner wagt nun einen erneuten Versuch, den Fall zu lösen. Dafür bittet er Halls um Unterstützung, einen Immobilienmakler, der früher als Profiler in den USA arbeitete. Ihm gelingt es, aus den wenigen Anhaltspunkten neue Ideen und Theorien für das kriminalistische Vorgehen der beiden zu entwickeln. So stoßen sie auf einen weiteren Fall, der sich jedoch Jahre später zutrug. Dabei geht es um eine junge Frau, die vor jenem Hotel starb, in dem der erste Tote gefunden wurde. Als Todesursache wurde ein Autounfall angenommen, doch die beiden Ermittler haben Zweifel an dieser Theorie. Und nach und nach tauchen Details auf, vermuten lassen, dass die beiden Fälle mehr als nur die Nähe der Tatorte verbindet.

Meinung

Alles in Blut ist ein Roman, der vor allem die Ermittlungsarbeit von Bruckner und Hall beschreibt. Die Charaktere der beiden treten dabei in den Hintergrund. Während Kommissare in anderen Krimis oft diverse Eigenheiten aufweisen und neben ihrer Arbeit mit privaten Problem zu kämpfen haben, geht es in diesem Buch beinahe ausschließlich um den Fall selbst. Das bietet einerseits spannende Eindrücke in die Polizeiarbeit - Details zu Polizeidatenbanken, Ermittlungsmethoden und der Arbeit von Profilern werden detailliert beschrieben und dürften auch gut recherchiert sein. Andererseits hat Alles in Blut dadurch für mich oft technisch, kühl und emotionslos gewirkt und meinen Geschmack nicht ganz getroffen.

Spannung kam bei mir erst gegen des Ende des Buches auf, als sich die Ereignisse überschlugen und der Fall aus der Vergangenheit zu gegenwärtigen Bedrohungen führte. Bis zu diesem Zeitpunkt enthält die Geschichte wenig Action. Dafür gab es von Beginn an genügend offene Fragen und vage Anhaltspunkte um mich neugierig von Seite zu Seite blättern zu lassen. Mir hat es dabei Freude bereitet, mit Bruckner und Halls gemeinsam Theorien zu erdenken. Alles in Blut enthält dafür genügend Details, um das ein oder andere Mal das Erfolgserlebnis zu haben, einen Zusammenhang vor den beiden Ermittlern zu entdecken. Gleichzeitig ist die Geschichte jedoch so gut konstruiert, dass sie an keiner Stelle durchschaubar wirkt.

Mir hat Alles in Blut einige schöne Lesestunden beschert, wenngleich das Buch meinen persönlichen Geschmack nicht ganz treffen konnte. Ich würde es daher vor allem denjenigen empfehlen, die sich für komplexe Kriminalfälle und ausführlich beschriebene Polizeiarbeit interessieren. Wer sich daneben auch tiefgründige Ermittler mit Ecken und Kanten wünscht, wird hingegen, nach meiner Einschätzung, mit anderen Krimis besser bedient sein.


7 von 10 Punkten


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Alles in Blut ist auf Amazon als E-Book erhältlich.

Samstag, 21. Juni 2014

Rezension: Zweisiedler von Patricia Holland Moritz

Handlung


Zweisiedler ist der erste Roman der Autorin Patricia Holland Moritz. Die Handlung spielt in einem kleinen Dorf südlich von Paris. Außerhalb der Dorfgrenzen lebt die junge Frau Edna ein beschauliches und zurückgezogenes Leben. Ihre Zeit verbringt sie mit mehreren Haustieren, dem Malen, zu viel Wein, sowie mit Besuchen bei Gilles, dem örtlichen Barbesitzer und ihrem einzigen Freund.

Doch Ednas Leben gerät in Aufregung, als ihr alte Haus, das ihr Lebensmittelpunkt ist, einem Freizeitpark weichen soll. Etwa zeitgleich taucht ein Junge bei ihr auf, der behauptet, ihr Sohn zu sein. Als Edna sich schließlich noch in einen der Architekten des Freizeitparks verliebt und dieser nach einer Nacht mit ihr plötzlich spurlos verschwindet, ist Leben der jungen Französin endgültig außer Kontrolle geraten. Über Nacht ist sie zur Verdächtigen eines vermeintlichen Mordes geworden. Nun rächt es sich auch, dass Edna sich in all den Jahren nie um die Gerüchte, die es im Dorf über sie gibt, gekümmert hat, neben Gilles keine Freunde besitzt und durch ihr abgeschottetes Leben weltfremd geworden ist.

Meinung

Zweisiedler ist zu Beginn ein sehr ruhiges Buch. Über viele Seiten hinweg lernen wir Edna und ihr Dorf kennen. Die Beschreibungen sind ausführlich und mit vielen kleinen Details versehen. Sie zeichnen das Bild eines idyllischen Landlebens. Mich konnte das Buch nicht sofort fesseln, für meinen Geschmack hätte es auch im ersten Teil schon mehr Handlung geben können. Gleichzeitig habe ich es jedoch genossen, immer mehr über Edna zu erfahren. Die junge Frau ist tatsächlich ein einzigartiger Charakter - weltfremd, aber nicht auf den Mund gefallen, naiv und gleichzeitig klug. Sie wirkt glücklich mit ihrem Leben, trinkt aber gleichzeitig zu viel und ignoriert Probleme. Ihr Herz ist groß, der Umgang mit anderen Menschen fällt ihr aber dennoch nicht leicht. Durch all dies wirkt sie eigentümlich, aber gleichzeitig auch erfrischend unkonventionell und sympathisch.

Als Ednas zurückgezogenes Leben durch die aufkommenden Probleme und Neuerungen bedroht wird, baut die Geschichte zusehends Spannung auf. Spätestens mit dem Verschwinden des Architekten war dann auch der Punkt erreicht, an dem ich das Buch kaum noch aus den Händen legen konnte. All die mysteriösen Ereignisse haben mich einer Auflösung entgegenfiebern lassen, angesichts der Angriffe auf ihre beschauliche Existenz, habe ich mit Edna um ihre Zukunft gebangt.

Der finale Teil des Buches ist, meiner Ansicht nach, der stärkste. Zum einen werden einzelne Handlungsfäden zusammengeführt und es wird klar, dass Zweisiedler eine perfekt komponierte Geschichte ist. Was zu Beginn des Buches wie ein seltsamer Zufall gewirkt hat, ergibt plötzlich Sinn und das Verhalten einiger Charaktere erscheint plötzlich in einem anderen Licht. Gleichzeitig regt insbesondere der letzte Teil des Buches über die Handlung hinaus dazu an, über Freundschaft, Lebensentwürfe und die Frage, was real und wahr ist, nachzudenken.

Vor allem aufgrund dieses starken Finales ist Zweisiedler ein Roman, den ich gerne weiterempfehle. Er erzählt nicht nur eine unkonventionelle Kriminalgeschichte, sondern glänzt auch durch die interessante Protagonistin und den tiefsinnigen Schluss. Zweisiedler gehört zu jenen Romanen, die neben der Haupthandlung zahlreiche Details enthalten, die jedes für dich Aufmerksamkeit verdienen. Und ich vermute, dass die Geschichte von unterschiedlichen Lesern und Leserinnen auch jeweils ein wenig anders wahrgenommen und interpretiert wird. Denn Patricia Holland Moritz hat keine plakative Erzählung geschrieben, sondern eine Geschichte, die erst durch die vielen Einzelheiten und die einmaligen Charaktere zu dem wird, was sie ist. Auch wenn mir der Einstieg in das Buch aufgrund der zunächst unspektakulären Handlung und einigen relativ langen Sätzen zunächst nicht leicht fiel, vergebe ich daher eindeutige 5 Sterne und eine klare Empfehlung.

9 von 10 Punkten

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Zweisiedler ist auf Amazon als Taschenbuch oder E-Book erhältlich.

Freitag, 20. Juni 2014

Rezension: HABITAT von André Wegmann und Isabell Schmitt-Egner

 Habitat enthält die Geschichten Im Revier der Skulks von André Wegmann und Im tödlichen Gehege von Isabella Schmitt-Egner. Beide Geschichten sind unabhängig voneinander lesbar. Ihre einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie von Menschen handeln, die unfreiwillig in das Revier tödlicher Tiere eindringen.

Im Revier der Skulks

Die Geschichte spielt an einem idyllischen Ferienort. Neben mehreren älteren Urlaubern, gönnt sich hier unter anderem der depressive LKW-Fahrer Gerd ein paar Tage Erholung. Auch Lisa und Chris, ein Paar, das sich über das Internet kennen gelernt hat, plant ein Liebeswochenende an diesem Ort. Am Abend brechen die Urlauber zu einer gemeinsamen Fackelwanderung in den Wald auf. Doch es dauert nicht lange, bis aus dem romantischen Ausflug ein Kampf um Leben und Tod wird. Und in dieser Extremsituation zeigt sich auch der wahre Charakter der Protagonisten.

Im Revier der Skulks ist hervorragend geschrieben. Die klare, präzise Sprache hat sowohl die schöne Landschaft, als auch den Horror bildlich in meiner Phantasie entstehen lassen. Die Handlung ist spannend und etwa nach ersten Drittel entwickeln sich die Geschehnisse so rasant, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte.

Die Charaktere bleiben jedoch relativ flach und klischeehaft. Auch hinsichtlich der Komplexität der Geschichte, kann Im Revier der Skulks meines Erachtens mit vielen guten Romanen nicht mithalten. Dafür gelingt mit dem Autor das, was ein gutes Horrorbuch ausmacht: eine spannende Geschichte, die sich gut liest und die der Leser erst aus der Hand legt, wenn auch die letzte Seite gelesen ist. Wer (Tier-)Horror mag, wird mit mit dieser Geschichte daher ziemlich sicher einige spannende Stunden erleben.

Im tödlichen Gehege

Eine Gruppe junger Leute reist in einen Wald im Norden Schwedens. Dort soll es, laut einem Internetforum, eine noch unentdeckte Tierart geben. Bald stellt sich heraus, dass diese Tiere tatsächlich existieren, doch nicht annähernd so harmlos sind, wie gedacht. Und auch der Wald ist nicht so menschenleer, wie die fünf Freunde das erwartet haben.

Der Autorin gelingt es ausgezeichnet, den Charakter der einzelnen Abenteurer darzustellen. Sie wirken authentisch, schon nach wenigen Seiten besitzt jeder der fünf eine eigene Persönlichkeit und die Beziehungen und Spannungen zwischen ihnen sind nachvollziehbar. Insbesondere die beiden Hauptprotagonisten, Beatrice und Patrick, sind darüber hinaus sehr sympathisch und agieren stets plausibel.

Im tödlichen Gehege hat mich weniger mitreißen können als Im Revier der Skulks, was aber auch daran liegen könnte, dass die Handlung im Vergleich zur sehr gnadenlosen und brutalen ersten Geschichte lascher wirkt. Dafür ist die Idee hinter der Geschichte kreativer und bedrohlicher als der typische Tierhorror à la „Mensch trifft auf tödliches Tier“. Für ein Buch dieses Genres ist die Handlung außerdem vergleichsweise realistisch gehalten. Auch bei „Im tödlichen Gehege“ war bei mir daher rasch der Punkt erreicht, an dem ich den Text nicht mehr aus den Händen legen konnte.

Fazit

Insgesamt handelt es sich bei beiden Geschichten um gut gemachten Horror. Wer große Literatur erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden, allen Fans von Horrorbüchern, die auf der Suche nach kurzweiligen und spannenden Geschichten sind, würde ich Habitat jedoch sofort empfehlen.

7 von 10 Punkten 

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Habitat ist auf Amazon als  Taschenbuch oder E-Book erhältlich.

Willkommen

Herzlich Willkommen auf meinem neuen Blog!

Hier werde ich in regelmäßigen Abständen Buchrezensionen posten. Der Schwerpunkt wird dabei auf Krimis, Thrillern und kritischen Romanen liegen. Doch auch historische Romane, Horror- und Fantasybücher verirren sich immer wieder in meinen Bücherschrank und werden dann genauso rezensiert. Meine LieblingsautorInnen der letzten Monate waren Juli Zeh, Anne Holt und Stig Larsson und ich denke, diese drei spiegeln auch meinen Buchgeschmack ganz gut wieder.

Außerdem ist geplant, hier in unregelmäßigen Abständen Bücher zu verlosen - näheres dazu, wenn es soweit ist.

Ich hoffe, meine Rezensionen tragen dazu bei, anderen Leseratten ein paar Büchertips geben zu können!

In diesem Sinne wünsche ich euch hier auf meinem Blog eine angenehme und interessante Zeit!

Katharina